Sanfte Hundeerziehung: So kannst du deinem Hund das Anspringen abgewöhnen
Warum springt mein Hund mich überhaupt an? (Der Muzzle-Lick-Faktor)
Viele denken, der Hund wolle "dominieren". Völliger Quatsch! Wenn dein Hund dich anspringt, ist das meistens eine (zugegeben sehr stürmische) Form der Höflichkeit.
In der Hundewelt begrüßen Welpen die Alttiere, indem sie ihnen die Schnauze lecken. Da wir Menschen aber meistens deutlich größer sind als unsere Hunde, versucht der Hund, an unser Gesicht heranzukommen. Das Anspringen ist also eigentlich der Versuch einer "Gesichtskontrolle" auf Augenhöhe. Er will dir hallo sagen und dabei ganz nah an deine Mundwinkel ran.
Finger weg von "Knie hoch" und Halsband-Ruck!
Bevor wir zur Lösung kommen, müssen wir über Dinge sprechen, die leider immer noch in manchen Hundeschulen gelehrt werden. Ich sage es ganz deutlich: Lass es bitte sein.
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Das Knie hochreißen: Man rät dir, dem Hund das Knie in die Brust zu rammen, wenn er hochspringt. Bei einem großen, schweren Hund kann das zu schweren Prellungen, Rippenbrüchen oder Verletzungen am Brustbein führen. Außerdem zerstört es das Vertrauen – dein Hund versteht nicht, warum sein bester Freund ihn plötzlich körperlich attackiert.
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Am Halsband wegreißen: Den Hund mit Wucht nach unten zu zerren, schadet der empfindlichen Halswirbelsäule und dem Kehlkopf. Gerade sportliche Hunde brauchen einen gesunden Bewegungsapparat. Solche Gewalt-Methoden haben in einem modernen Training nichts zu suchen.
Die Lösung: Werde zur langweiligsten Statue der Welt
Wenn du deinem Hund das Anspringen abgewöhnen willst, musst du ihm zeigen, dass er mit dieser Strategie genau das Gegenteil von dem erreicht, was er will: Aufmerksamkeit.
So gehst du vor:
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Abdrehen und Seite zeigen: Sobald dein Hund die Vorderpfoten vom Boden hebt, drehst du dich sofort seitlich weg. Verschränke die Arme vor der Brust.
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Kein Blickkontakt, kein Wort: Jedes „Nein“ oder „Runter da“ ist für deinen Hund bereits eine Form von Aufmerksamkeit. Ignoriere ihn komplett.
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Die „Vier-Pfoten-Regel“: Erst in dem Moment, in dem alle vier Pfoten wieder fest auf dem Boden stehen, drehst du dich ihm zu und begrüßt ihn ruhig. Springt er wieder? Sofort wieder abdrehen.
Warum das funktioniert?
Hunde kommunizieren viel über Körpersprache. Indem du ihm die Seite zeigst und dich abwendest, signalisierst du: "Dein Verhalten ist gerade völlig uninteressant für mich." Da dein Hund aber Interaktion will, wird er schnell lernen, dass er diese nur bekommt, wenn er unten bleibt.
Profi-Tipp: Das alternative Angebot
Wir bei hovawart.rocks sagen immer: Biete dem Hund eine Lösung an! Statt nur zu sagen, was er nicht tun soll, sag ihm, was er tun darf.
Trainiere ein bombenfestes "Sitz". Wenn du nach Hause kommst, verlange das Sitz, bevor er springen kann. Belohne ihn dann direkt auf Bodenhöhe (vielleicht sogar mit einem kleinen "Schnauze-Lecken-Ersatz", indem du dich zu ihm hinhockst).
Fazit: Geduld schlägt Härte
Große Hunde brauchen klare Führung, aber keine Gewalt. Wenn du konsequent bleibst und das Abdrehen konsequent durchziehst, wird dein Riese schnell verstehen, dass Bodenhaftung viel cooler ist.
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